Wie im rosa Himmel – TAL 2017 LOSM

Was ist eine Assigned Area Task, oder noch wichtiger, ein Luftraum? Sind Wettbewerbspiloten eigentlich verbissene Ehrgeizler oder hilfsbereite Kameraden? Wie finde ich mich bei viel Verkehr und in einer unbekannten Gegend zurecht, und was geht alles an Tagen mit nicht idealer Wetterlage?

Diese und ähnliche Fragen stellt man sich häufig als Wettbewerbs-Neuling.  Bei uns kam noch eine dazu: Wie weiblich ist Segelfliegen?

Als wir zwei ISV-Pilotinnen – die einzigen Frauen unter 32 Teilnehmern – uns im Herbst 2016 entschieden, am TAL 2017 in LOSM teilzunehmen, hatten wir gute Gründe, wie die Lage des Platzes (ideale Erweiterung des Aktionsradius von Innsbruck aus nach Osten/Süden) sowie Zeitpunkt und Dauer (wenige Urlaubstage nötig).

Heute in der Nachbetrachtung fällt auf, dass das Mitfliegen bei diesem TAL aus ganz anderen Gründen eine sehr gute Entscheidung war. Die wollen wir hier ein wenig beleuchten:

Das Team: Peter Di Boras Mannschaft schaffte die schwierige Balance zwischen straffer Organisation und freundlicher Flexibilität mit Bravour.

Manuela: Ich hatte im Vorfeld wenig Zeit, und so erledigte Birgit die Korrespondenz und allerlei Fragen. Mein Kollege Leo, der dankenswerterweise eines unser Flugzeuge überstellte, berichtete von „extrem netten Leuten“ und wünschte mir viel Spaß – und so sollte es auch kommen. Alte Bekannte, neue Freunde, und eine konstruktive Atmosphäre, die das ideale Umfeld für Austausch und gemeinsames Lernen bildete.

Birgit: Der erste Kontakt war ein netter Anruf im Spätwinter von Peter, der in mir sofort grenzenlose Vorfreude und Lust aufs Fliegen weckte. Im Juni wurde im Vorfeld des TAL allerdings immer nervöser, da es uns irgendwie gelingen musste, einen Flieger auf dem Luftweg zu überstellen. Zweimal versetzte ich deshalb die Mauterndorfer Kollegen in Alarmbereitschaft und kam so schon vor dem TAL in den Genuss der grenzenlosen Hilfsbereitschaft (zur Verfügung stellen von Gästezimmer, Rückholer samt Leih-Hänger und Hangarplatz). So fühlte ich mich schon dort zuhause und gut aufgenommen, bevor ich am Mittwoch nachmittag (leider auf erdgebundenem Weg) überhaupt am Platz ankam.

Der Bewerb: bot super schöne Aufgaben, die forderten ohne zu überfordern.

Birgit: Wow! Eine wunderschöne Gegend, die ich teilweise aus meiner Schul- und Studienzeit schon kannte, durfte ich nun endlich auch aus der Luft bestaunen. Wettermäßig hatten wir Glück und konnten zwei wunderschöne Strecken bei guter Thermik und eine Nordföhn-Aufgabe fliegen. Ich denke, alle geben mir Recht, dass Erzberg und Gesäuse, Kärntner Seen und Lienzer Dolomiten aus dem Segelflieger toll und imposant aussehen. Gleichzeitig waren die Routen so gelegt, dass man fast immer im Gleitbereich eines Flugplatzes unterwegs war und daher recht stressfrei drauflosfliegen konnte. Um dem recht unterschiedlichen Niveau der TAL Teilnehmerinnen Rechnung zu tragen gab es drei Klassen, deren Aufgaben gut abgestimmt waren, sodass sich keiner überfordert fühlen musste, aber alle große Fortschritte machen konnten.

Manuela: Gerade weil ich so leidenschaftlich gerne fliege möchte ich nicht, dass mein allerschönstes Hobby in Stress ausartet. Wie schön, das man das beim TAL 2017 in Mauterndorf genauso gesehen hat. Bei toller Atmosphäre liefen die F-Schlepps mit Gelassenheit und trotzdem extrem zügig ab, sodass das Feld flott in der Luft war, und alle Unklarheiten wurden unaufgeregt beseitigt – verdientermaßen gab es dafür großen Applaus für das Team um Christian Emig sowie Tasksetter und Wetterfrosch David Richter-Trummer. Und um eine der eingangs gestellten Fragen zu beantworten: Kameradschaft und Hilfsbereitschaft herrschten eindeutig den ganzen Bewerb hindurch!

 

Der Wohlfühl-Faktor: wie die Hühnchen im Korb!

Manuela: Hangarierung für die LS8? Frag Toni! Bratpfanne für zwei Forellen? Armin macht das schon! Übernachtung im piekfeinen Wohnwagen? Herbie hat alles im Griff. Unglaublich, es klappte einfach alles, was ich mir wünschte. Hätte ich ambitioniertere Wünsche ausprobieren sollen? Na gut, vielleicht frag ich nächstes Mal noch nach ein bisschen Fluganalyse, als Debriefing oder Schlechtwetter-Programm…   Eine Frage liegt auf der Hand –  gibt es ihn wirklich, den Pilotinnen-Bonus?  Ein bisschen ganz bestimmt, obwohl alle Teilnehmer gleichermaßen von der freundlichen Aufnahme schwärmten. Jedenfalls ist die Segelfliegerwelt durchaus wohnlich für uns Frauen. Ich hoffe wir können bald zahlreicher auftreten!

Birgit: Was soll man da sagen? Verwöhnt wurden wir bis aufs Letzte, und mit ihrem Lungauer Schmäh hielten uns Armin, Toni und Co auch stets perfekt bei Laune. Genauso schön war es aber alte Bekannte aus der Segelflugszene, besonders vom letztjährigen Dobersberg-TAL, wieder zu treffen und Erfahrungen auszutauschen. Auch das Wiedersehen mit unserem ehemaligen Segelflugreferenten David Richter-Trummer bereitete Freude, da ich ihm einen Löwenanteil meiner Streckenflug-Leidenschaft verdanke. Tolle Segelkunstflugeinlagen und Modell-Hubschrauber-Vorführungen bekamen wir zu sehen, und perfekt dokumentiert wurde alles von unserem Foto-Profi Ulrich, auch hierfür dankeschön!

Fazit: Das TAL 2017 in LOSM war ein Highlight in der Flugsaison 17/18

Wir sind uns einig, dass wir sofern es irgendwie geht wieder dabei sein wollen. Wir hoffen stark auf Peter Di Boras Motivation für eine Fortsetzung!

Birgit: Hmm.. absolut unmöglich zu sagen, was das Beste an dieser Woche war… Jeder der drei Flüge war auf seine Weise besonders und fantastisch und auch der Bodentag mit Ausflug nach Tamsweg und am Nachmittag spannenden Vorträgen zum Thema Segelfliegen war sehr kurzweilig. Gemeinsames Grillen gehört zum Segelfliegen wie der Tag zum Abend, und ist ebenfalls nicht zu kurz gekommen. Ich habe das Gefühl streckenfliegerisch wieder einiges weitergebracht zu haben und mein Fluggebiet deutlich ausgeweitet und wichtige Lücken, geographisch, streckenstrategisch und landewiesentechnisch, geschlossen zu haben. In diesem Sinne: Bis bald im Lungau!

Manuela: Die bleibenden Eindrücke, die ich aus Mauterndorf mitnehme, sind zahlreich. Besonders spannend war für mich der Nordföhn. Obwohl er teilweise mächtig Spaß machte, hatte ich ziemlichen Respekt davor. Ich vertraute zwar meinem Schleppiloten, doch in Richtung 07 waren wir anfangs ziemlich niedrig unterwegs, und es erforderte Überwindung, dabei cool zu bleiben. Gottlob hatten wir gut bei Armin gefrühstückt, das hat mir sicherlich geholfen: Liptauer mit Blüten drin, ein Geheimtipp!

Der Flug war dann sowohl höhenmäßig als auch emotional eine ziemliche Berg- und Talfahrt, doch insgesamt sehr lehrreich. Alles in allem ist dieser Platz ein Ort, an den ich gerne zurückkehren werde, um mehr von der schönen Landschaft im Umfeld zu erfliegen und auch, um die Kameraden aus LOSM wiederzusehen.  Bis dahin – Glück ab, gut Land!

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